Anonymität im Internet

Internet ist die Vernetzung, die uns alle in eine bessere Gesellschaft führt. Doch bringt es auch viele Schattenseiten mit sich, wie zum Beispiel die Anonymität.

Das wohl größte Problem ist durch soziale Netzwerke entstanden. Jeder kann im Prinzip das veröffentlichen, was er möchte. Diese Anonymität ist in dem Sinne vorhanden, dass man nicht mit seinem Gesicht darsteht, sondern mit dem digitalen Avatar, der sich selbst repräsentiert. Schnell werden Beleidigungen benutzt. Es wird maßlos überspitzt und plötzlich ist es  “Ironie”, wenn man Personen oder ethnische Gruppen beleidigt. Die Leute nutzen das Internet für Klatsch und Tratsch, um über andere herzuziehen. Sozusagen wird das Internet zum verbalen Mülleimer unserer Gesellschaft. Die Nutzer sind sich nicht im Klaren, dass Dinge, die im Internet geschehen, öffentlich sind. Die anderen Medien haben immer dazu beigetragen und das Internet als ein “Entkommen der Realität” betitelt. Es wurde lange Zeit nicht als das wahrgenommen, was es ist. Das liegt sehr wahrscheinlich an dem Fakt der potentiellen Konkurrenz des Internets für andere Medien. Das Schlimmste ist aber dieser Teufelskreis in dem wir uns bewegen. Das Internet ermutigt zwar zum Ausdruck von Meinungen und Gefühlen, aber gerade dadurch beeinflussen wir andere. Wir merken eigentlich im Internet immer mehr, dass der alte Medientyp, diese Einbahnstraße vom Produzent zum Konsument, wieder größer wird. Ich werde in dem Zusammenhang Youtube als Beispiel nutzen. Bei dieser Plattform geht es vor allem ums:

  1. Videos kreieren
  2. Videos konsumieren
  3. Feedback geben (Kommentare/Daumen)

Das Erstellen von Videos ist immer professioneller geworden. Der Social-Media-Anteil wurde immer geringer. Ein Beispiel wären da Videoantworten, in denen teilweise ganze Videoreihen entstanden sind. Beispielsweise Challenges oder, um spezifischer zu werden, “20 Filme in 60 Sekunden” und Ähnliches. Es gab einige teils bekannte Videos von unausgereiften Jugendlichen, die zeigten, dass sie sich sich nicht im Klaren waren, wie öffentlich das Internet doch eigentlich ist. Was einmal da ist, wird einen das Leben lang verfolgen und vielleicht für immer unentfernbar sein. Ich denke, dass gerade deshalb die Videoantworten entfernt wurden, um die Privatsphäre im indirekten Sinn zu steigern und als Resultat die Plattform viel professioneller wirken zu lassen. Ein Zwölfjähriger erstellt beispielsweise ein Hassvideo über einen Künstler, in dem er sich dabei filmt, wie er seine negative Meinung über ihn preisgibt. In dem Video wird er beleidigend und blamiert sich vor anderen Usern. Diese finden das amüsant, laden es herunter und teilen es mit Anderen auf verschiedensten Plattformen. Das Video ist nun für immer im Internet und der Aufwand, es von allen Plattformen zu löschen, wäre nicht realisierbar. In einem rein textbasierten Kommentar ist die Anonymität natürlich viel höher und gleichzeitig die Chance, dass das Kind sich sein Leben zerstört viel niedriger. Zugleich wird die vielleicht dadurch entstehende negative Kritik für die Plattform mit Entfernung der Videoantwortfunktion eliminiert.

Zu dem genannten Punkt des Konsumierens von Videos gehört zugleich auch irgendwie das Feedback. Ich denke, jeder der Youtube in den letzten Jahren verfolgt hat, hat gemerkt, dass sich in den letzten Jahren die Kommentare stark verändert haben und von ihrer eigentlichen Idee stark abweichen. Es geht immer weniger darum, seine konstruktive Meinung über die Kommentarfunktion wiederzuspiegeln. Viel mehr überragt die Hemmungslosigkeit in der Ausdrucksform, mit der viele ihre Kommentare verfassen. Ich denke, dass durch die stetig wachsenden Channels der Plattform und die immer einfacher zu benutzende Funktion ein Einzelner so weit in der Bedeutungslosigkeit untergeht, dass er sich nicht mehr um seine Ausdrucksform kümmert. Schließlich machen es ja auch alle so und warum nicht einfach Andere nachahmen, ‘ist ja auch viel einfacher. Einmal gibt es die Spammer, die sich durch ihre nicht beitragsrelevanten Kommentare offensichtlich Aufmerksamkeit erhoffen, mit zum Beispiel “Erster”, “Unter 301 Klub”, “nice Video”, “mach mal wieder[…] Videos”, “Ich mach auch Videos schau doch mal vorbei” oder “Hey du H****sohn, hör auf mit deinen sch*** Videos […]”. Die stark herrschende Anonymität ist wohl der Grund dafür. Der Zusammenhang mit der Anonymität und den genannten Kommentaren ist trivial. Andere Arten von Kommentaren sind aber auch nicht viel formeller. Oft wird nebeneinanderher geredet. Meinungen und Fakten werden gleichgestellt und oft wird darüber diskutiert, ob die Meinungen überhaupt die Richtigen sind. Beispiele hierzu möchte ich nicht nennen, da sie einerseits zu spezifisch wären und andererseits Menschen verletzen könnten. Wer daran interessiert ist, kann sich selbst eine längere Diskussion in Youtubekommentaren durchlesen und sich kritisch eine Meinung über die teils ausgefallenen Zankereien bilden.

Aber Anonymität im Internet ist nicht nur negativ. Es sorgt für eine faire Gleichbehandlung hinter jeder Meinung, bei der nicht die Position eines Menschen hinterfragt wird. Man weiß oftmals nicht, wer für einen Beitrag verantwortlich ist. Sei es ein Professor, ein Schüler, ein Christ, ein Buddhist und ob er schwarze oder weiße Haut hat. Eigentlich interessiert nur das, was er durch den eigentlichen Kommentar preisgegeben hat. Die Hemmschwelle sinkt, was es auch gesellschaftlich niedrigeren Menschen möglich macht, sich vor einer größeren Menschenmasse zu äußern, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Wichtig ist nur, dass die Fakten und Meinungen nicht vertauscht werden. Jeder kann durch ein paar Worte die Welt ein kleines Stück besser machen, sie zu einem Platz machen, an dem wir alle lieber lebten.

Fazit: Generell ist es wichtig, das Internet als einen öffentlichen Ort zu bewahren, an dem sich jeder frei und anonym äußern kann. Wir sollten es als Chance sehen. Trotzdem sind Menschen auch in der Anonymität verpflichtet, nicht ausfallend zu werden und auf ihre Ausdrucksform zu achten. Das Internet sollte ein Ort sein, an dem Menschen aufeinander zugehen und man immer dynamisch bleibt. Man darf seine Meinung ändern und sollte, nein, muss sie ändern, wenn man selber nicht mehr dahinter steht.

Was ist eure Meinung dazu? Ich freue mich über eure Erfahrungen und Meinungen!

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *